Was ist Lernen?

Lernen bestimmt unser Leben, es nimmt eine zentrale Position ein und findet stetig statt. Man kann nicht „Nichtlernen“. Lernen zeigt sich in vielfältigen Formen wie in einer Schulstunde, bei Hobbys aber auch anderen Tätigkeiten im Alltag.

Individuelle Lernerfahrungen prägen gegenwärtiges Lernen.

Ruth Meyer (2018) erklärt, dass sich das Lernen im Laufe des Lebens stark verändert. Während Kinder unbefangen und neugierig auf unbekannte Themen zugehen, sind Jugendliche und Erwachsene oft geprägt von negativen sowie angstbelasteten Lernerfahrungen, welche das Lernen blockieren. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass sich Lehrpersonen und Bildungsinstitutionen mit den Hintergründen zum Thema Lernen auseinandersetzen.

Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich zunächst mit den wissenschaftlichen Zugängen des Lernens und geht danach auf die neuronalen Prozesse des Lernens ein.

Drei wissenschaftliche Ansätze des Lernens

Peter Gasser (2010) beschreibt drei Zugänge, um das Lernen zu betrachten und damit zu verstehen:

Beim behavioristischen Zugang wird das Lernen als Aufbau und Erweiterung im Sinne einer Verhaltensänderung beschrieben. Es geht darum, ein sicheres und fehlerfreies Verhalten aufzubauen und abrufbar zu machen. Der Behaviorismus steht für das klassische Lernen durch Verstärkung, beispielsweise mittels Wiederholung und Belohnung. Der kognitivistische Ansatz hingegen versteht das Lernen als Aufbau und Erweiterung von Wissen und Können. Der Lernvorgang im Kognitivismus wird als Prozess der Informationsverarbeitung, welche auch die Bewertung und Interpretation des Wissens miteinschliesst, bezeichnet. Im Gegensatz zum Behaviorismus, werden beim Kognitivismus die «inneren», kognitiven Prozesse erklärt. Das neurobiologische Verständnis betrachtet das Lernen als Aufbau, Stärkung und Erweiterung neuronaler Netze und synaptischer Potenziale.

Die neuronalen Prozesse beim Lernen

Auf unser Gehirn prasseln täglich unzählige Informationen ein und alle werden verarbeitet, indem sich hunderte Milliarden Nervenzellen austauschen.

Der Vorgang des Lernens lässt sich in folgenden Schritten beschreiben:

Beim Lernen bauen Zellen im Gehirn (sogenannte Neuronen), die zur selben Zeit aktiviert sind, eine weitere Verbindung durch ihre Kontaktstellen (Synapsen) miteinander auf. Dies erhöht die Anzahl an Verbindungen und reduziert den Energieverbrauch für sich oft wiederholende Prozesse.

 

Durch das Lernen wird das Aktionspotential (Weiterleitung eines Nervensignals) von Synapsen erhöht und gestärkt, wodurch mehr Signale weitergeleitet werden können.

Bei Wiederholungen wird weniger Energie benötigt, um ein Signal weiterzuleiten.

 

Mehr Synapsen bedeuten mehr Signalübertragung und somit mehr Möglichkeiten, Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.
Durch vielfältige Aktivitäten wie hören, gestalten, wiedergeben, lesen usw. entstehen in den relevanten Arealen fast unendliche Netze mit Anschlussstellen für neues Wissen.  Je grösser und vielfältiger die neuronalen Netze sind, umso weniger anfällig sind sie für Störungen.

vgl. Schröger, E. (2010).

Durch häufiges Üben und Wiederholen erweitern sich die neuronalen Areale. Insbesondere das Anregen multipler Sinnesmodalitäten, Anknüpfen an Vorwissen oder Emotionen sorgt für eine einfachere Aktivierungen der Hirnareale.

Lernen bedeutet, dass neue Verbindungen zwischen Nervenzellen entstehen, oder bestehende Verknüpfungen gestärkt werden. Wenn also etwas wiederholt wird, so werden die Synapsen neu aktiviert, die Kontakte zwischen den Nervenzellen werden verstärkt. Etwas regelmässig zu wiederholen, anstelle nur einmal auswendig zu lernen, fördert daher langfristig das Speichern von Informationen im Gedächtnis.

Lernen unter Stress und Angst aktivieren im Gehirn Notfallmechanismen, welche die Prozesse des Lernens hemmen. Im Gegensatz werden bei einer positiven Grundstimmung andere Botenstoffe ausgeschüttet, welche die Lernbereitschaft erhöhen.

Und jetzt?

Was sind deine Gedanken zu diesem Thema? Dies möchten wir gerne auf dieser online Pinnwand erfahren:
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Quellen:
Gasser, P. (2010). Gehirngerecht lernen. Eine Lernanleitung auf neuropsychologischer Grundlage (1. Aufl.). Bern: Hep-Verlag.
Meyer, R. (2018). Lehren kompakt I. Von der Fachperson zur Lehrperson (5., überarbeitete Auflage). Bern: hep, der Bildungsverlag.
Müller, A. (2013). Die Schule schwänzt das Lernen. Und niemand sitzt nach (1. Auflage). Bern: hep, der Bildungsverlag.
Schröger, E. (2010). Biologische Psychologie. [Lehrbuch] (Basiswissen Psychologie, 1. Aufl.). Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.

Zeichnungen:
Kleinholz Claudia (2020) erstellt mit Procreate

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